Sabbat
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4.-7.2.2016 Chile: Chile Chico, Cochrane

Die Grenzkontrolle nach Chile verläuft wieder einmal angenehm - Doris muss nur die als Feueranzünder gesammelten Biber-Holzspäne abgeben. Als der Zöllner den in Argentinien gefundenen, ausgeblichenen Tierschädel wegen kleiner Fellreste auch konfiszieren will, diskutieren/gestikulieren wir ein wenig und dürfen ihn dann doch einführen. In Chile Chico - einem sehr touristisch geprägten Ort mit einem über lange Treppen erreichbaren Aussichtspunkt am Berghang - wollen wir zunächst einkaufen. Dabei treffen wir wieder auf Ina und Hans-Jörg mit den drei schwarzen Hunden.
Wir beschließen, die nächsten Strecken südwärts bis nach Caleta Tortel und zum Ende der 'Carretera Austral' in Villa O'Higgins gemeinsam weiter zu fahren. Auf teilweise abenteuerlichen Pisten geht unsere Suche nach einem Schlafplatz am Lago General Carreras (in Argentinien heißt er Lago Buenos Aires) gen Südwesten.
Am nächsten Tag schaffen wir es nur 20 km am Lago entlang - dann treffen wir auf einem Stellplatz direkt am See die beiden passionierten Angler Kora und Karl aus Eutin. Sie sind schon seit Jahren für 6 Monate im Jahr in Südamerika unterwegs und kennen auch die beiden Langzeitreisenden Ilona und Wolf, die wir erstmals in den Thermen Uruguays trafen.
Es ist ziemlich windstill, so versucht Hans-Jörg mit seinem aufblasbaren Kanu sein Anglerglück. Leider wird aber nichts aus dem erhofften Fischessen. Am Lagerfeuer grillen wir daher unsere Fleischvorräte und geniessen zu sechst beim Wein und vielen Gesprächen die sternklare Nacht.
Am folgenden Tag - Doris wagt morgens ein eiskaltes Bad - verabschieden wir mittags Kora und Karl und fahren auch weiter bis zu einem schönen Schlafplatz bei Puerto Guadal.
Die weitere Strecke in Richtung Cochrane bietet immer wieder faszinierende Ausblicke auf die Bergwelt und die Gletscher der Patagonischen Kordillieren. In Cochrane wollen wir im kleinen Naturpark übernachten, doch dort sind die Parkplätze sehr eng und abschüssig. So stellen wir uns weit vor dem Naturpark an eine Kajakschule des Ortes und geniessen vor dem Abendessen erst Sekt und Erdnüsse am Seeufer.

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8.-10.2.2016 Chile: Puerto Tranquilo, Richtung Tortel, Cuevas Marmol


Morgens füllen wir unsere Vorräte in Cochrane auf, denn die über 200 km lange raue Piste bis Caleta Tortel und Villa O'Higgins ohne Infrastruktur wartet auf uns. Caleta Tortel ist komplett auf Stegen am Wasser gebaut - daher gibt es keine schlammigen Straßen. Unterwegs sehen wir von einem Aussichtspunkt eine riesige Fläche im Bergland, die von einer Minengesellschaft quasi umgepflügt wurde. Die auf der Fototafel dargestellten Maßnahmen der Minero's zum Umweltschutz soll die Besucher wohl gnädig stimmen.
Wir brauchen mehrere Stunden für etwa 60 km Rüttelei durch das wunderschöne Tal des Rio Baker mit Stromschnellen und Wasserfällen. Dieses ursprüngliche Tal war allerdings stark bedroht, denn Energiekonzerne wollten mit fünf großen Staudämmen etwa 6000 Hektar der Täler und Nebentäler des Rio Baker und des Rio Pascua zur Stromerzeugung überfluten. Für über 2200 km Stromtrassen sollten Schneisen in Wald und Flur bis nach Santiago de Chile geschlagen werden.
Dagegen stellte sich die Protestbewegung "Patagonia sin Represas' (Patagonien ohne Staudämme). Sie hatte zum Glück Erfolg: im Juni 2014 hat die Regierung das Projekt zurückgewiesen. So können wir auch heute noch an einem Platz hoch über dem Lago Bertrand unser Nachtlager aufschlagen.
Dieser See wird vom Lago General Carreras gespeist und fließt über den Rio Baker ab. Der Rio Baker ist Chile's Fluß mit dem höchsten Wasserstand und mündet bei Caleta Tortel in den Pazifik.
An unserem Nachtplatz erklimmt Hans-Jörg einen Gipfel an der Straße - auf den Felsen nebenan machen Condore Rast. Auf der Piste quälen sich LKW's mit Holz und Gas langsam bergan. Nach der Marterstrecke ist hier ein sehr schöner Platz zum Ausruhen. Später am Lagerfeuer beschließen wir, den Rest der geplanten Strecke zum Ende der 'Carretera Austral' nicht weiter zu verfolgen, denn die Piste ist grauenhaft schlecht. So schön kann das auf Stegen gebaute Caleta Tortel nicht sein, dass wir dafür unsere Autos runinieren.
Zurück geht es über Cochrane zu den Marmorhöhlen Cuevas Marmol kurz vor Puerto Tranquilo am Nordufer der Südspitze des Lago General Carreras. Die Abfahrt zu einem Campingplatz, von dem aus Boots- oder Kajaktouren zu den Höhlen angeboten werden, ist äußerst steil und eng. Daher hat Ina die Befürchtung, dass Hans-Jörg mit dem frontgetriebenen Fiat-Ducato kaum wieder hinauf kommt.
Doch erst melden wir uns zur Bootstour an - die Fahrt zu den Höhlen und in einige Teilbereiche des ausgewaschenen Marmors hinein ist sehr eindrucksvoll. Unser Bootsführer lässt sich Zeit, so dass wir den Anblick der Marmorhöhlen ausgiebig geniessen und viel fotografieren können.
Nach der Bootstour räumt Hans-Jörg zur Last-Erhöhung auf der Vorderachse einige gewichtige Ausrüstungsgegenstände ins Fahrerhaus seines Ducato und fährt allein hinauf, während Ina samt Hunden den Berg zu Fuß erklimmt. Aber nur durch Rückwärtsfahren an besonders steilen Passagen schafft Hans-Jörg es mit dem Ducato nach oben.
Als ich die Bergfahrt starten will, bemerkt Doris eine Ölpfütze - unser Iveco hat Öl verloren. Es scheint aber kein Motoröl sondern Lenköl zu sein. Wir beschließen, so schnell wie möglich mit Allrad und Untersetzung den Berg aufwärts zu fahren. Oben an der Straße wollen wir dann genauer nach dem Defekt forschen.
Die Fahrt hoch wird schwierig, weil die hydraulische Unterstützung vom Lenkkraftverstärker geringer wird. Immer mehr Muskelkraft ist zum Lenken durch die steilen Serpentinen notwendig. Doch wir schaffen es und sehen dann mit Hans-Jörg am Straßenrand nach der Ursache des Ölverlustes. Der Lenköl-Behälter ist fast leer - beim Anlassen sieht man das Öl aus dem Hochdruckschlauch an der Lenkhydraulik sehr schnell herausspritzen. Nun ist guter Rat gefragt - Doris hält einen zufällig vorbeifahrenden Abschleppwagen an. Er ist zwar schon mit einem Pannenfahrzeug beladen, aber der Fahrer sieht sich unser Problem an. Er meint, wir können vorsichtig zum 4 km entfernten Puerto Tranquilo weiterfahren. Dort sollen wir nach Victor Reyes fragen: "Wenn Einer vor Ort helfen kann, dann nur er. Sonst gibt es nur Werkstätten im 230 km entfernten Coyhaique."

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10.-13.2.2016 Chile: Hydraulikreparatur in Puerto Tranquilo, Coyhaique

Wir füllen noch einmal Lenköl in den Vorratsbehälter, fahren unter großer Kraftanstrengung hinunter nach Puerto Tranquilo und stellen uns zur Übernachtung am See auf. Wir erfragen den Weg zu Victors Werkstatt - doch er ist nicht da. Im Hostel gegenüber erfahren wir, dass er vielleicht morgen Mittag wieder kommt. Etwas enttäuscht über die Wartezeit, richten wir uns zur Nacht ein.
Am Morgen versuchen wir erst über unsere Iveco-Werkstatt Rowedder in Deutschland zu klären, ob wir auch ohne Hydrauliköl die 230 km nach Coihaique fahren könnten. Wir fragen per Mail beim Werkstattmeister Martens nach und hoffen auf schnelle Antwort, denn wegen der Zeitverschiebung ist in Deutschland bald Feierabend. Er bestätigt aber meine Vermutung - die Hochdruckpumpe kann durch Trockenlaufen schwerst beschädigt werden. Das wäre hier fatal, denn eine Ersatzpumpe muss eingeflogen werden - das dauert bestimmt 2 bis 3 Wochen.
So füllen wir Öl nach und fahren den Iveco mittags vor Victor's Werkstatt. Er kommt zum Glück zum Mittagessen ins Hostel gegenüber und sieht sich unser Problem an. Während der Mittagspause löse ich schon einmal alle Schrauben zum Ausbau der Lenkhydraulik, denn sonst kann der defekte Hochdruckschlauch nicht entfernt werden. Victor löst zielstrebig mit kräftigen Hammerschlägen die Kegelköpfe des Lenkgestänges an den Rädern und beginnt mit dem Ausbau der Hydraulik.
Am Nachmittag kommen noch deutschsprachige Chilenen mit einem ähnlichen Problem zur Werkstatt. In einer Straßenbaustelle hat ein Stein die Ölwanne des Automatikgetriebes bei ihrem neuen Toyota durchschlagen, sodass auch hier die Lenkhydraulik ausgefallen ist. Die Chilenin Rosemarie aus Temuco und ihr Mann Bernhard sind deutsch/schweizerischer Abstammung. Sie zeigen gerade Rosemaries Cousine Marion aus Hamburg den Süden Chiles.
Victor kümmert sich zwischendurch auch um die Ölwanne beim Toyota, während ich beim Iveco ein Kreuzgelenk der Lenksäule löse und danach die gesamte Lenkhydraulik nach unten herausziehen kann. Nun zeigt sich das Problem - direkt am Anschluß zum Hydraulikblock ist der Hochdruckschlauch porös. Eine Reparatur ist durch Victor nicht möglich. So erkundigt sich Rosemarie bei ihren Verwandten in Coyhaique und Victor beim gegenüber wohnenden Fuhrunternehmer nach einer Reparaturwerkstatt. Sie nennen uns beide die Adresse von 'Lucar Repuestos'.
Wir müssen also irgendwie dort hin kommen - aber der Zufall hilft uns schon wieder. Nach der Panne will Rosemarie nun statt weiter nach Villa O'Higgins wieder nach Hause und auf dem Weg bei ihren Verwandten in Coyhaique übernachten. Sie bietet uns die Mitfahrt an.
Wir freuen uns riesig, packen ein paar Übernachtungs-Sachen und essen schnell noch etwas. Als die Ölwanne ihres PKW kurz nach 19 Uhr zugeschweisst ist, geht die Fahrt über die Piste los. Durch zwei lange Straßenbaustellen erreichen wir bei interessanten Gesprächen Coyhaique erst nach Mitternacht. Die drei Chilenen fahren mit uns einige Hotels an, da wegen der Hochsaison kaum Zimmer frei sind. Das zuerst angefahrene Hotel 'El Reloj' war uns zwar zu teuer, dennoch mieten wir uns dort ein. Doris geht erschöpft ins weiche Bett, während ich noch viele Bilder für unsere Webseite auf den Server hochlade - das Internet läuft hier bestens.
Bereits um 8 Uhr gehen wir zum 5 Minuten entfernten Ersatzteilladen - er öffnet aber erst um 9 Uhr. Dem Schaufenster nach zu urteilen, verliere ich aber die Hoffnung hier einen Hochdruckschlauch mit den speziellen Anschlüssen für unseren Iveco zu bekommen.
Nach dem Frühstück im Hotel geht es um 9 Uhr wieder zum Ersatzteilhändler. Wir werden nach hinten ins Lager gewunken und dort noch einmal um eine Ecke in eine kleine Werkstatt. Hier sehen wir viele Hydraulikschläuche und Presswerkzeuge - wir schöpfen neue Hoffnung. Ein Mechaniker sieht sich unseren Schlauch nur kurz an und sagt mit sicherer Stimme, wir können ihn um 10:30 Uhr wieder abholen. In der Stadt kaufen wir uns vorsorglich zwei Bustickets für 10 Uhr am nächsten Tag - denn es sind die letzten Plätze für die täglich einzige Rückfahrt nach Puerto Tranquilo.
Als wir zum Ersatzteilladen zurückkommen, ist zwischen den Anschlüssen ein neuer Schlauch eingepresst - er kostet knapp 19 Euro. Überglücklich holen wir unser Gepäck aus dem Hotel, gehen an die Ausfallstraße und versuchen zurück nach Puerto Tranquilo zu trampen. Nach einer Weile können wir tatsächlich etwa 40 km bis zur Abzweigung der Ruta 7 bei trampen. Nun fehlen uns nur noch die 50 km Asphalt bis Villa Cerro Castillo und die 140 km Rüttelstrecke mit den zwei Baustellen. Es fängt an zu regnen und hier am Buswartehäuschen sammeln sich immer mehr Tramper.
Kurz bevor wir aufgeben und ins Hotel nach Coyhaique zurück wollen, hält ein Pickup und nimmt uns auf der Ladefläche mit. Dort sitzen wir jetzt zu viert - zwei Rucksackreisende mit großem Gepäck wurden schon vorher aufgeladen. Nach kurzer Fahrt erbarmt sich unser Fahrer, räumt sein Gepäck im hinteren Bereich um und lässt Doris zu sich und seiner Begleiterin in die Kabine einsteigen. Eine Rücksitzbank ist zwar nicht drin und Doris muss auf dem Blechboden sitzen - aber für sie ist es wenigstens trocken.
So geht es nun mit hohem Tempo bis zum ersten langen Baustellenbereich, den wir nach kurzer Wartezeit durchfahren können. Leider kommen wir aber zu spät zur zweiten Baustelle, die täglich von 14 bis 18 Uhr wegen Sprengung, Baumfällung und Räumarbeiten komplett gesperrt wird. Im Regen müssen wir knapp drei Stunden warten. Aber unser Fahrer fährt einen 'heißen Reifen' und überholt alle vor ihm Fahrenden, sodass wir gegen 20 Uhr zurück in Puerto Tranquilo sind. Ich brauche nun schnell etwas Warmes zu trinken und zu essen - es war doch ziemlich kalt und nass auf der Ladefläche des Pickup. Mein Versuch unsere Bustickets per Mail an Tramper verschenken zu lassen, klappt nicht - das Internet im Dorf läuft mal wieder nicht. Mit Ina und Hans-Jörg beschließen wir den erfolgreichen Tag bei Grog und Wein...

Morgens bauen Hans-Jörg und ich die Lenkung in etwa drei Stunden wieder komplett ein. Manchmal ist es zwar etwas kniffelig - letztlich geht mit Hans-Jörg's Unterstützung in Rat und Tat alles glatt. Der Mechaniker Victor, der uns beim Einbau nicht helfen brauchte, staunt nicht schlecht und würde uns glatt als Gehilfen einstellen. Nach dem Aufräumen bezahlen wir bei Victor die Rechnung mit einem großzügigen Trinkgeld - er will für etwa 2,5 Stunden nur 19 €. Zum Testen und zur Übernachtung fahren wieder zum Stellplatz am See.
Hurra - unsere weitere Reise ist vorerst gesichert und wir freuen uns, dass wir diese Panne nicht am Ende der 'Carretera Austral' hatten, denn der Weg zu 'Lucar Repuestos' wäre fast 500 Kilometer lang gewesen und wesentlich beschwerlicher und zeitintensiver geworden.

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14.-18.2.2016 Chile: Valle Explodadores, Coyhaique, Villa Amengual

Das Valle Explodadores - laut Reiseführer eines der schönsten und abwechslungsreichsten Täler der 'Carretera Austral' - ist unser gemeinsames Ziel. Die Piste ist anfangs zwar rau - aber die Fahrt durch das Tal wird mit tollen Ausblicken belohnt: der Fluß, viele Wasserfälle, der Lago Bayo sowie die nördlichen Bergketten und Gletscher des Patagonischen Eisfeldes säumen den Weg. Anfangs ist das Tal noch breit und wird für Viehzucht genutzt. Unterwegs gibt es auch einige Brandrodungen und alte Friedhöfe. Hier wurden die Toten traditionell in kleinen Holzhütten mit Türen, Fenstern und teilweise auch Gardinen bestattet.
Feuchte Regenwaldgebiete und ein Wanderweg zum Aussichtspunkt beim Gletscher Grosse liegen am Weg. An der breiten Gletscherzunge fällt sehr stark auf, wie sehr die Eismassen in den letzten Jahren abgeschmolzen sind. Die Eisdecke ist von einer grauschwarzen Geröll- und Mergelschicht überzogen. Die vom Gletschereis glattgeschliffenen unteren Ränder der Berge zeigen die ehemalige Höhe der Eisschicht.
Nach 75 Kilometern endet die Straße im enger werdenden Tal vom Lago General Carreras am Ufer des Rio Explodadores. Die Berge am Horizont bilden eine Barriere für die Wolken, es türmen sich wunderschöne Wolkenformationen auf. Fußgänger können mit einer kleinen Fähre übersetzen und so zum wenige Kilometer entfernten Pazifikfjord Estero Elefante, zum Gletscher San Rafael und der Lagune im gleichnamigen Nationalpark gelangen. Brückenfundamente stehen hier zwar schon, aber seit Jahren fehlt die Brücke selbst. Mit dem Auto kommen wir hier nicht weiter, es gilt wieder einmal: der Weg ist das Ziel.
Nach einer regenreichen Übernachtung direkt am Fluß fahren wir zurück über Puerto Tranquilo in Richtung Coyhaique.
Bei einer Kaffeepause auf einem breiten Kies-Flußufer treffen wir zwei italienische Pärchen in Expeditionsmobilen und tauschen Informationen aus. Weiter geht es bis zur Straßenbaustelle - die Wartezeit nutzen wir für Hausputz und Kleinreparaturen. Durch die Baustelle brauchen wir über eine Stunde und suchen uns einen Schlafplatz kurz vor Coyhaique.
Morgens fahren wir in die Stadt und während Ina und Hans-Jörg bei vier Gasfüllstationen erfolglos versuchen Gas zu bekommen, bringen wir unsere Wäsche zur 'Lavanderia' und sehen uns den Ort an. Dabei treffen wir Gabi und Manfred (Valdez) wieder und verabreden uns zur Nacht auf dem Parkplatz mit den alten Dampfmaschinen.
Im sehr touristisch geprägten Ort machen die Ureinwohner - die Mapuche 'Indigena Mariman' - auf ihre schlechte Situation aufmerksam und bieten in einem Verkaufszelt neben viel Strickwaren, Pflanzen, Gewürzen und Fellen auch hausgemachte 'Berlines'. Doris deckt sich hier bei den teilweise in traditioneller Tracht gekleideten Mapuche mit einem Schafsfell und einer Wollmütze für kalte Tage ein.
Am Abend an den alten Dampfmaschinen beschließen wir mit Ina und Hans-Jörg bei einem 'Pisco Sour', unsere Route über die Insel Isla Grande de Chiloé fortzusetzen und eine Fährfahrt von Chaitén nach Quellón am Südende der Insel zu buchen. Auf Chiloé wollen wir uns das Ende der 'Panamericana' bei Quellón, einige der dreizehn als Weltkulturerbe anerkannten Kirchen 'Iglesias chilotas', eine Pinguin-Insel und den Leuchturm im Norden ansehen. Später kommen auch Gaby und Manfred, die ihr Auto früh am nächsten Morgen zur Inspektion in die Mercedes-Werkstatt bringen wollen.
Am nächsten Tag können wir im Büro der Fährgesellschaft gerade noch die letzten Meter für unsere Wohnmobile bei der Überfahrt in 10 Tagen buchen - es ist jetzt Hochsaison. Daher haben wir nun etwas Zeit und können am Wochenende noch ein Rodeo in Villa Amengual besuchen, für das wir ein Plakat mit der Ankündigung gesehen haben.
Nach dem Abholen unserer Wäsche geht es mit Ina und Hans-Jörg, die doch noch eine Gasstation zum Füllen ihrer Flaschen überreden konnten, weiter am Wasserfall Virgen de la Cascada Madre Santa Maria vorbei. Nach einer Zwischenübernachtung am Fluß kommen wir nach Puerto Aysen. Hier verlandet der alte Hafen immer mehr, halb gesunkene Schiffe liegen im Wasser neben Booten, die scheinbar restauriert werden. Geier sitzen am Ufer und suchen Aas in Fischernetzen oder hoffen sie noch auf Beute aus den versunkenen Schiffen? Auch im neuen Hafen von Puerto Aysen sieht es nicht besser aus - so lassen sich bestimmt keine Touristen anlocken.
Deshalb geht es nun weiter nach Villa Amengual,wo heute das Rodeo starten soll. Da wir frühzeitig da sind, können wir uns das Dorf noch ansehen, bevor das Rodeo beginnt. Im Artesania-Laden gibt es bei den Strickwaren auch Gaucho-Mützen, bei denen die Verschlußlaschen von Getränkedosen eingestrickt sind. Obwohl die Mütze Hans-Jörg gut steht, kann er sich nicht zum Kauf entschließen. Nach dem Abendessen gehen wir zum Veranstaltungsauftakt des Rodeo in der Turnhalle der Dorfschule. Im nächsten Abschnitt beschreiben wir dieses Dorffest näher.

10.-18.2.2016: zur DiaShow...

19.-21.2.2016 Chile: Rodeo Villa Amengual

Die 'Jineteadas' in Villa Amengual sind Reiterwettkämpfe mit kurzgebundenen Steigbügeln und gehören zu einer Reihe von lokalen Wettspielen mit Rodeos, Costumbristas (Brauchtumsfesten) und Tradiciones (Überlieferungen), die in dieser Region im Februar stattfinden.
Als wir am Freitag Nachmittag ankommen, werden auf der Festwiese noch Vorbereitungen für die Veranstaltung getroffen. 'Just-in-Time' ist hier wohl auch üblich: noch werden Pferde neu beschlagen, die Redner-Tribüne wird mit einem Regendach versehen, alles geht gemütlich voran.
So haben wir noch Zeit, uns den kleinen Ort anzusehen, eine Mützenprobe beim Händler mit Kunsthandwerk vorzunehmen und ein wenig Internet-Kommunikation durchzuführen. Am Abend beginnt dann das Programm in der Turnhalle der Schule mit Tanzvorführungen, Verleihung von Ehrenpreisen und Tanzmusik. Zuvor wird noch eine Reihe von Cidre-Flaschen ausgeschenkt und eine große Geburtstagstorte an die Anwesenden verteilt. Die Gaucho's schleckern wohl auch gern - dann werden die Tellerberge schnell beseite geräumt, die Musikkapelle beginnt zu spielen und es darf getanzt werden. Bis weit nach Mitternacht dringt die Musik noch zu unseren Schlafplätzen in einer Seitenstraße.
Am Samstag Mittag beginnen die Reiterwettkämpfe - an zwei 'Posto's werden wilde Pferde gesattelt und wagemutige Gaucho's versuchen möglichst lange auf den bockenden Pferden sitzen zu bleiben. Auf der Bühne spielen während der ganzen Veranstaltung Musiker unterschiedliche Melodien zu den wilden Ritten. Am Rand des Platzes gehen die Zuschauer trotz des Regens begeistert mit und einige Händler bauen ihre Verkaufstände mit Reitzubehör auf.
Einige Pferde bocken schon beim Satteln an den Posto's, sind sehr störrisch oder setzen sich erstmal einfach hin. Doch alle paar Minuten ist wieder ein Pferd bereit zum Rodeo. Viele Reiter werden binnen kürzester Zeit von den Wildpferden abgeworfen. Wer sich lang genug festhalten kann, wird durch begleitende Reiter nach etwa 10 Sekunden aus dem Sattel des Wildpferdes gehoben. Einmal kommt es auch zu einem Unfall, bei dem ein Perd auf den Brustkorb des Reiters fällt, der dann per Krankenwagen abtransportiert wird. Wir können aber nicht in Erfahrung bringen, was dem unglücklichen Gaucho widerfahren ist.
Auch an diesem Abend findet in der Turnhalle eine ausgiebige Musikveranstaltung mit Tanz statt.
Am Sonntag geht es bei sonnigerem Wetter noch weiter mit dem Rodeo. Zwischendurch gibt es eine kurzzeitige Unterbrechung, weil ein Pferd beim Satteln wild aufsteigt und den morschen Pfosten umreisst. Nun muss erst ein neuer 'Posto' eingesetzt werden, bevor es weitergehen kann.
Zum Abschluß der Veranstaltung dürfen noch ein paar Nachwuchs-Gaucho's auf der Festwiese reiten. Ein Junge darf auf einem wilden Fohlen, das von drei Männern kaum gehalten wird, sein Können zeigen.
Wir sind hier fast die einzigen Touristen und freuen uns, ein solches authentisches, nicht für Touristen inszeniertes Fest in einem kleinen Dorf live miterleben zu können. Am Abend sprechen wir bei einem Pisco Sour noch kurz die Route für den nächsten Tag ab und verbringen hier am Straßenrand eine ruhige Nacht.

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22.-26.2.2016 Chile: NP Queulat, Puerto Puyuhuapi, Puerto Cardenas, El Amarillo, NP Pumalin, Chaitén

Am Morgen fahren wir bei Bewölkung auf der 'Carretera Austral' etwa 30 Kilometer nördlich von Villa Amengual in den Nationalpark NP Queulat mit Gletschern, Wasserfällen, Urwäldern, Farnen, Lianen und riesigen Nalca-Pflanzen. Am Wasserfall Salto del Condor halten wir kurz. Doris und Ina wandern zum Fuß des Wasserfall während ich ein Spaß-Foto von Hans-Jörg mache. Weiter geht es bis zum privat lizensierten Wanderweg 'Sendero Bosque Encantado', bei dem Doris, Ina und ich auf Grund meines Alters als 'Jubilado' alle nur den Seniorenpreis bezahlen müssen. Dieser Rundwanderweg führt in die Nähe einer kleinen Gletscherlagune und ist derzeit nur bis zur Hälfte nutzbar. Die Brücke wurde weggespült und der Wasserstand ist für eine Flußquerung zu hoch.
Der Waldweg entpuppt sich als ein Pfad auf morastigem Boden, der teilweise mit Baumscheiben, Trittsteinen und kleinen Holzbrücken in einem Zauberwald umherführt. Uberall gibt es mit Moosen und Flechten bewachsene Bäume, umgestürzte Bäume liegen kreuz und quer, Lianen hängen von den Ästen herunter und an vielen Stellen plätschern kleine Bäche durchs Unterholz. Alles ist üppig grün und nahe dem Umkehrpunkt am Gletscherfluß sind auch Kolibri's zu sehen. Leider ist der Gletscher im hohen Bergmassiv noch sehr weit entfernt.
Einige Kilometer schlechte Piste führen uns dann zum Besucherzentrum des Parks, von dem aus ein 600 Meter langer Wanderweg zur Laguna Témpanos abgeht. Von dort ist der 'Hängende Gletscher' Ventisquero Colgante sehr gut zu sehen. Zwischen zwei Bergen schiebt sich die Gletscherzunge in Richtung einer hohen Felsenkante. Schmelzwasser stürzt als Wasserfall zur Lagune hinunter, die Gletscherfront hängt hoch über der Lagune. Es sieht so aus, als würde die Eiswand jeden Moment in die Lagune kippen. Manchmal knallen große Eisbrocken gegen die Felsen und zerstäuben zu feinem Eisregen, der auch in die Lagune fällt. Aus dieser Entfernung sieht es wie ein weiterer Wasserfall aus.
Weiter geht es an den Termas de Puyuhuapi vorbei, bis wir einen Parkplatz gegenüber einer Fischfarm am Canal Puyuhuapi - einem Pazifikfjord für die Übernachtung finden.
Am Morgen stelle ich fest, dass eine Schraube am rechten Motorhauben-Scharnier abgebrochen ist und die Motorhaube deshalb während der letzten Fahrten viel quietschte. Zum Glück kann ich das Schraubenstück durch Anbohren lösen und eine neue Schraube eindrehen. Damit die Motorhaube sich nicht immer wieder löst, verzurre ich sie unten mit einem Seil. Ich hoffe auf einen Ersatzteilhändler, der Spannverschlüsse aus Gummi anbietet.
Jetzt können wir auch weiter - erst nach Puerto Puyuhuapi und dann Kaffetrinken bei La Junta am Fluß. Ina und Hans-Jörg bleiben hier und wollen zum Lago Rosselot zum Schlafen. Da wir vor Isla Grande de Chiloé noch zum Naturpark Pumalin wollen, verabschieden uns für ein paar Tage und fahren noch weiter bis nach Puerto Cardenas. Am Bootsanleger des 35 Kilometer langen Lago Yelcho wollen wir schlafen. Der See gilt durch den angeblichen Rekord-Fang eines 17kg schweren Lachs als Anglerparadies.
Als ich das Auto umrangieren will, funktioniert das Zündschloß nicht mehr - es hatte vorher ja schon kurze Störungen gehabt und in der letzten Baustelle immer wieder kurze Aussetzer verursacht. Die Rüttelei der letzten 110 km von wechselweise gleichlangen Stücken Baustelle, Piste, Asphalt und wieder Baustelle war nicht gut. Doch nachdem ich die Verkleidung abgenommen und die Kabel ein wenig gerichtet habe, funktioniert es wieder. Ich lasse die Verkleidung vorsichtshalber gleich ab, dann kann ich bei Aussetzern während der Fahrt direkt am Kabel rütteln.
Wir können uns nun auf eine ruhige Nacht einrichten, denn außer zwei Booten mit betagten und betuchten Angel-Touristen ist hier am Anleger nichts los. Der Blick von unserem Platz ist hervorragend: geradeaus am malerischen See-Ende überspannt eine grandiose Hängebrücke - die Puente Yelcho - den See-Ab-Fluß Rio Yelcho, dahinter der bis zum Ausbruch im Jahr 2008 als erloschen gegoltene Volcán Chaitén, links blicken wir auf den schneebedeckten Volcán Corcovado, rechts ragen die Ausläufer des Volcán Michinmahuida in den Himmel, hinter den Felsen in unserem Rücken stehen einige Lodges von Puerto Cardenas am Seeufer.
Heute wollen wir den 290.000 Hektar großen privaten Naturpark Pumalin besuchen. Er wurde von Douglas Tompkins, dem Gründer der Outdoor-Marke 'North Face' und Mitbesitzer von 'Esprit' gegründet. Er hat sich nach dem Verkauf seiner Firmenanteile dem nachhaltigen Umweltschutz zugewendet. Für seine chilenische Stiftung kaufte er zur Erhaltung des Regenwaldes im Norden Patagoniens große Landflächen vom Pazifik bis zur argentinischen Grenze in den Anden. Der Park erstreckt sich in zwei Teilbereichen von Chaitén im Süden bis nach Hornopirén im Norden, ein dazwischenliegendes Grundstück von 30.000 Hektar konnte er aufgrund des Widerstandes von Regenwaldausbeutern und rechter Parteien nicht kaufen. Leider ist Tompkins mit dem Kanu im Lago General Carreras gekentert und am 8. Dezember 2015 im Krankenhaus von Coyhaique an Unterkühlung gestorben.
Im Dorf El Amarillo sehen wir uns den orignellen aber stilvollen Gemischtwarenladen mit Tankstelle an. Mittags geht Doris sich in der Therme El Amarillo an der südlichen Parkgrenze aufwärmen, während ich wieder einmal unsere Webseite bearbeite. Zum Kaffee fahren wir zur Information am Parkeingang - kurze Zeit später kommen unverhofft Ina und Hans-Jörg auch hier vorbei. Wir fahren dann in den Park hinein und machen eine Rundwanderung auf dem Sendero Ranita de Darwin, der nach einem sehr seltenen, nur hier vorkommenden Frosch benannt wurde. Leider macht sich der Frosch auch vor uns rar, aber wir konnten hier im Regenwald einige riesige Nalca- und Bambuspflanzen sehen. Das letzte Stück der Rundwanderung geht abenteuerlich am Fluß entlang und führt uns wieder zum Wohnmobil. Mir gefällt an diesem Parkteil nicht, dass viele Flächen an den Wegen wie 'englischer Rasen' gemäht werden und scheinbar nicht ursprünglich sind - aber es gibt ja genügend Urwald hier.
Kurz nach Chaiten sehen wir uns einen Übernachtungsplatz an, wo ich die steile felsige Auffahrt nur mit Allradantrieb und durchdrehenden Reifen wieder hochkomme. Auf der weiteren Straße hören wir dann arge Fahrgeräusche, so dass ich auf einem Übernachtungsplatz am Strand von Santa Barbara nach unseren Reifen sehe. Ich bin total erschrocken über das Aussehen der Lauffläche der Hinterräder, sodass wir beschließen, diese nach dem Abendessen gegen die neuen Ersatzräder vom Dach zu tauschen. Die Cooper-Reifen haben starke Profilausbrüche und an einer Stelle ist das Profil bis zum Textilgürtel aufgerissen. Bei der Probefahrt hören wir aber die gleichen Fahrgeräusche wie vorher - sie scheinen durch die riffelige Asphaltdecke der Straße hervorgerufen zu werden. Trotzdem sind wir beruhigt, dass die maroden Hinterreifen nun auf dem Dach liegen.
Am nächsten Morgen regnet es sehr stark - trotzdem fahren wir nach dem Frühstück in den nördlichen Parque Pumalin bis zum Fähranleger Caleta Gonzales am Fjordo Largo. Bei anhaltend strömendem Regen beobachten wir das Treiben am Anleger beim Beladen einer Fähre. Zwei andere Wohnwagen stellen sich auch zu uns. Auf der Straße stehen noch einige übriggebliebene Autos für eine Fährpassage - doch heute kommt nur noch eine Fähre und wird nur ausgeladen. Abends wird es trockener, wir dürfen am Strand übernachten und hoffen auf Wetterbesserung am nächsten Tag.
Bei Regen geht die Fahrt über die aufgeweichte Piste wieder zurück. Beim Wanderweg 'Sendero Alerce' wird der Regen etwas weniger, sodass Doris sich herauswagt, um die bis 3m dicken und bis 3000 Jahre alten Alerce-Bäume anzusehen. Am Wanderweg 'El Volcan' überlegt Doris den 2-stündigen Aufstieg zum Kraterrand des Volcan Chaitén doch die Wolken hängen so niedrig, dass der Krater nicht zu sehen ist und ich mich weigere. So fahren wir wieder an den Strand von Santa Barbara und treffen hier schon wieder auf Ina und Hans-Jörg. Doris und ich machen einen langen Strandspaziergang, dann fahren wir mit den Wohnmobilen zur Übernachtung nach Chaitén.
In Chaitén sind noch deutlich die Spuren des verheerenden Vulkanausbruches vom Mai 2008 zu sehen. Viele Häuser sind nicht wieder aufgebaut, einige Menschen leben auch heute noch in halb zerstörten Wohnungen. Der nur 10 Kilometer entfernte und nur 1100 Meter hohe Volcan Chaitén galt als erloschen, da seine letzte Aktivität 9000 Jahre zurück lag. Der Vulkan schleuderte seine Asche über 20 Kilometer hoch - im Ascheregen gab es Atemprobleme. Innerhalb eines Tages versank Chaitén unter einer 20 Zentimeter dicken Ascheschicht, sodass die 7000 Einwohner evakuiert wurden. Der Rio Blanco führte früher an der Stadt vorbei in die Meeresbucht, trat aber nun über die Ufer und suchte sich einen neuen Weg quer durch die Stadt. Dabei überschwemmte er die Straßen mit Asche und Schlamm und hinterließ soviel davon in der Bucht, dass sie verlandete. Die ehemalige Uferstraße liegt nun hunderte Meter vom Wasser entfernt. Die Stadt wurde von der Regierung aufgegeben und sollte beim 10 Kilometer entfernten Santa Barbara neu aufgebaut werden. Weil der Hafen unversehrt blieb, haben ehemalige Einwohner jedoch einige Monate nach dem Ausbruch mit dem Aufräumen begonnen, ihre Häuser instandgesetzt und den Tourismus wieder aufgenommen. Erst 2011 wurde der Regierungsplan einer Neugründung aufgegeben - die Stadt wird wieder aufgebaut und viele Menschen sind zurückgekehrt.

Wir fahren am nächsten Morgen früh zum alten Hafen von Chaitén, um mit der Fähre auf die 180km lange und 50km breite Pazifikinsel Isla Grande de Chiloé überzusetzen.

22.-26.2.2016: zur DiaShow...


Zur Isla Grande de Chiloé